Die Exekutive der ngl-snep ist besonders schockiert über die Haltung der repräsentativen Gewerkschaften in der Tripartite.
Wir fragen uns, wie die vom Staat subventionierten Gewerkschaften die Arbeitnehmer vertreten wollen, wenn sie nicht am Verhandlungstisch sitzen.
Die Haltung der Arbeitgeberverbände kann daran nicht schuld sein, da die Forderungen der Arbeitgeber seit langem bekannt sind: Wasser ist eben nass!
Wir sind davon überzeugt, dass Verhandlungen ein Pfeiler der Demokratie sind: man muss verhandeln, umso mehr es sich um seine Wiedersacher handelt. Die Ablehnung von Verhandlungen stellen in unseren Augen die Frage der Repräsentativität, ja sogar der Legitimität solcher Gewerkschaften.
Vielleicht ist es aber auch nur pure Feigheit, im Angesicht des Wissens darüber, was kommen wird. Die Gewerkschaften sind sich vielleicht ihrer Schwächen bewusst und wollen nachher sagen können: Wir waren nicht dabei, als diese drakonischen Maßnahmen beschlossen wurden.
Wir sind erstaunt über die unheilbringenden Aussagen des Ex-Wirtschaftsministers auf Raten, Jeannot Krecké, der seine politische Courage wiedergefunden zu haben scheint, nun, da er nichts mehr zu verlieren hat.
Dabei scheint es nicht einmal mehr wichtig, dass Jeannot Krecké seine Karriere den Sozialosten zu verdanken hat, deren Positionen er sichtlich nicht mehr vertritt.
Was uns erstaunt, ist die Vehemenz, mit der der Noch-Minister sich gegen die automatische Lohnanpassung ausspricht. Er stempelt diese als Sündenbock der wirtschaftlichen Schieflage des Landes ab.
Dabei darf man sich fragen, warum unsere europäischen Nachbarn, welche zum größten Teil keine Lohnindexierung haben, noch schlechtere Zahlen auf den Tisch legen müssen.
Wir bedauern, dass es dem Minister scheinbar nur darum geht, das Land attraktiv für Firmen zu gestalten, während sich immer mehr Bürger die Frage stellen, ob es nicht sinnvoll wäre, das Ländchen wieder bewohnbar und attraktiv für die Menschen zu gestalten.
Wir erinnern an die Überzeugung eines bedeutenden Sozialisten, dass Europa sozial ausgerichtet sein wird, oder es kein Europa geben wird.
Der austretende Minister leistet mit seinen Aussagen den Arbeitgebern jedenfalls einen Bärendienst. Darüber hinaus beeinflusst der öffentlich die anstehenden Dreiergespräche, wobei er stets die Meinung vertrat, diese Verhandlungen müssten vertraulich geführt werden.
Wir vertreten die Ansicht, dass selbst ein Minister, vor allem wenn er vor Mandatsende austretend ist, wissen sollte, wo sein Platz ist und diesen in Würde verlassen sollte, anstatt den Interessen bestimmter Wirtschaftskräfte zu dienen.
ARCELORMITTAL : WERKSSCHLIESSUNGEN IN SCHIFFLANGE UND RODANGE
Die Exekutive der ngl-snep hat in ihrer gestrigen Sitzung Stellung bezüglich der genannten Werksschließungen bezogen. Die ngl-snep zeigt sich nicht sonderlich über die Schließungen überrascht, ist aber vom Zeitpunkt und der Brutalität der Art und Weise schockiert.
In der Tat ist es so, dass die Schließungen die Insider sowie die meisten Arbeitnehmer nicht überaschen. Diese haben schon seit 2 Jahren den Eindruck, dass absichtlich nicht mehr in diese Werke investiert wird und dass die Schließungen nur eine logische Konsequenz dieser Tatsache sind.
Diejenigen, die den Reden des Premierministers und Lakshmi Mittals zugehört haben, wissen, dass Erstere eine Abschiedsrede war und letztere ausschließlich den Aktionären von ARCELORMITTAL das Wasser auf die Mühlen bringen sollte.
Die Gewerkschaften OGBL und LCGB haben bewiesen, dass sie mit im Boot sitzen, da sie das Ende der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen des Betriebs am 15. September abwarteten, um ihren Protestbrief an Poupart-Lafarge erst am 16. September abzuschicken.
Die Schließungen zeigen auch unmissverständlich, dass die luxemburger Politik unfähig ist, Luxemburger Interessen zu wahren. Der Wirtschaftsminister Jeannot KRECKE zeigt sich überrascht über die Schließungen, sitzt aber zugleich im „Board of Directors“ der Firma. Gleichzeitig gehört der Erbgroßherzog zu diesem Gremium, wohl eher aber zu Image-Zwecken.
Der Luxemburger Michel WURTH gehört ebenfalls zum „Group Management Board“.
Diese Persönlichkeiten hatten kein schlechtes Gewissen, an der Show der Feierlichkeiten teilzunehmen, obwohl sie wussten, dass die Werke in Salamitaktik geschlossen würden.
Wir fordern die Politik auf, den Arbeitnehmern die Wahrheit zu sagen und die Ankündigungen der Konsequenzen dieser Schließungen nicht bis nach den Wahlen zu vertagen.
Alle diejenigen, die an der Feier teilnahmen und Bescheid wussten, haben die Arbeitnehmer betrogen.
Die etwa 600 betroffenen Arbeitnehmer müssen sofort über ihr Schicksal aufgeklärt werden. Die Tatsache, dass die allermeisten Grenzgänger sind, dürfte der Regierung entgegen kommen.
Die Allgemeinheit muss unverzüglich darüber aufgeklärt werden, was diese Schließungen weiterhin für die von den Werken abhängeigen Betrieben wie z.B. CFL-CARGO bedeuten.
Andernfalls liegt die Verantwortung bei der unfähigen Regierung, und dies muss Konsequenzen haben. Es darf nicht sein, dass die Zeche einzig und allein von den Arbeitnehmern bezahlt werden muss.
Auf Einladung der Luxair-Direktion fand heute Vormittag eine Sitzung mit Vertretern der Gewerkschaften und des Betriebsrats statt, um über eine neue Strategie für die Airline zu diskutieren.
Ziel dieser neuen Strategie sollte sein, das enorme Defizit der Airline bis 2015 zu verringern um die Arbeitsplätze mittel- und langfristig abzusichern. Die Luxair-Direktion schlug vor, im Rahmen von Arbeitsgruppen über bestimmte Lösungsansätze zu beraten. Sollte es beim Status Quo bleiben, würde das Defizit der Airline weiter ansteigen und somit die gesamte Luxair-Gruppe langfristig in Schwierigkeiten bringen. OGBL und NGL-SNEP waren bereit, ihre Verantwortung diesbezüglich zu übernehmen. Diese Gespräche hätten es ermöglicht, ohne den laufenden Kollektivvertrag auβer Kraft zu setzen, sachlich und ohne Zeitdruck über verschiedeneMöglichkeiten zur Kostensenkung zu diskutieren.
Leider scheiterten diese Ansätze an der ablehnenden Haltung des LCGB. Somit wurde es verpasst, eine Chance zum offenen Dialog im Interesse der gesamten Belegschaft wahrzunehmen.
Mitgeteilt vom OGBL und NGL-SNEP
Am 14. September 2011