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04 | 09 | 2010
Das Wettbewerbsfähigkeitsgespenst PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Armand Wildanger   
Freitag, den 19. März 2010 um 10:37 Uhr

moneyIm Rahmen der Dreiergespräche zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Regierung wird Ihnen nicht entgehen, dass die Arbeitgeberverbände stets mehr Wettbewerbsfähigkeit fordern, da sie darin den Ausweg aus der Krise wähnen.

Es ist die Mühe wert, dieses gelehrte Wort aus dem Munde all dieser Experten genauer zu untersuchen.

Die Wettbewerbsfähigkeit ist die Fähigkeit eines Betriebs (im weiteren Sinne) oder eines Landes, seine Marktanteile auf dem nationalen wie internationalen Markt zu steigern. Die Wettbewerbsfähigkeit besteht aus zwei Teilen: Die preisgebundene Wettbewerbsfähigkeit  und die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit. Die preisgebundene Wettbewerbsfähigkeit ist die Fähigkeit, billigere Produkte als die Konkurrenz auf dem nationalen Markt sowie zum Export anzubieten.

Die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit ist die Fähigkeit, Produkte unabhängig von ihrem Preis an den Kunden zu bringen. Hier wird eine komplette Produktpalette angeboten, die der Diversität der Einkommen und der Wünsche der Kunden entspricht.

Die preisgebundene Wettbewerbsfähigkeit besteht aus folgenden Elementen:

  • die Profitmargen
  • Wechselkurse (je höher der Euro umso schwerer ist es, die Produkte zu exportieren)
  • Produktionskosten (welche die Gehälter beinhalten)

Die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit besteht u.a aus folgenden Elementen:

  • Organisation der Produktion und der Arbeit
  • Forschung und Entwicklung, Patente...
  • Innovation und technischer Fortschritt
  • Wirtschaftspolitik

Die Experten sind sich einig, dass die preisabhängige Wettbewerbsfähigkeit (welche die Gehälter und Löhne beinhaltet) kurzfristige Folgen hat, während die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit langfristig ihre Früchte trägt.

Soviel zur Theorie.

Wir stellen fest, dass die luxemburger Arbeitgeber eine sehr beschränkte Auffassung der Wettbewerbsfähigkeit an den Tag legen, indem sie sich auf die Löhne der Arbeitnehmer begrenzen.

Wir haben gesehen, dass die Gehälter kurzfristig wirken, da wir aber einen Dauerhaften Weg aus der Krise finden sollten, müssen die Änderungen die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit betreffen, was den Betrieben größere Anstrengungen abverlangt.

Diese Lohnbezogenen Erwägungen verführen die Arbeitgeber dazu, unsere Löhnen mit jenen der Polen und Tschechen zu vergleichen. Dabei vergessen sie, dass die polnischen und tschechischen Arbeitnehmer keine Mieten, Darlehen, Autos und sonstige Güter in Luxemburg zahlen, alles "Produkte", die den luxemburger Betrieben finanziell nutzen. Auch sollte man nicht vergessen, dass die Betriebe in Polen und Tschechien keine luxemburger Mehrwert- und Gewerbesteuer zahlen.

Die luxemburger Löhne nach unten zu drücken wird den gewünschten Effekt erhöhter Wettbewerbsfähigkeit nicht bringen. Im Gegenzug wird dies Luxemburg in eine menschliche Wüste verwandeln.

Testen Sie einmal die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit der luxemburger Unternehmen indem Sie versuchen, per Internet einzukaufen. Sie werden feststellen, dass Luxemburg in diesem Bereich zu den Entwicklungsländern zählt: Schlechte oder inexistente Internetseiten, fehlende Produktpalette, etc....

Bevor die Betriebe also die Löhne der Arbeitnehmer angreifen, sollten sie zuerst ihre Hausaufgaben machen. Es sollte nicht die einfachste Lösung gesucht werden, da diese mit Sicherheit den sozialen Frieden gefährdet.

 

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 22. März 2010 um 09:24 Uhr
 
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